Delphinefahrt zum "Kurs in Herzenöffnen" auf La Gomera

Delphinefahrt zum "Kurs in Herzenöffnen" auf La Gomera

Donnerstag,  08. März 2012

Am Morgen, kurz nach dem Aufstehen, sorge ich mich doch sehr, ob die Fahrt heute überhaupt stattfinden wird. Der Wind hat ordentlich aufgefrischt, wenn das weiter draußen auf dem Meer auch so sein sollte, dann wäre das Entdecken der Finnen vor lauter weißen Schaumkronen sehr erschwert. Zudem würde eine heftige Dünung so manch einen Mageninhalt, trotz der Biodramina Kaubonbons, nach oben befördern.

Ein Anruf bei Oceano konnte meine Bedenken ausräumen. Die Sonneaufgangstour sei ganz ruhig verlaufen, hier handelte es sich also nur um ablandigen Wind. Super!
Vor so einer Gruppenfahrt wünsche ich mir doch sehr, dass die Teilnehmer dieses ganz besondere Erlebnis mit den Delphinen oder Walen, welches ich schon häufig erleben durfte, mit mir teilen können. Um 11:00 Uhr ging es dann pünktlich los.
Neun der 12 Teilnehmer, ein Gast und ich waren neben Volker, dem Guide und unserem charmanten Kapitän José an Bord der „oceano cinque“.
Wir waren kaum 10 Minuten Richtung Süd-Ost gefahren und Volker hatte soeben seine Willkommens-Rede mit den Worten “wenn Du glaubst etwas entdeckt zu haben, rufe bitte nicht einfach nur 'da' sondern beschreibe die Richtung, in die alle sich orientieren sollen anhand der Uhr, wie z.B. eine Sichtung rechts vom Boot heißt auf drei Uhr, geradeaus: auf zwölf Uhr usw....“ beendet, als auch aus meinem Munde das kleinkindhafte, aufgeregte „Da, da, da, daaaaasindwelche!“ ertönt. Das passierte mir nicht zum ersten Mal, die Gefühle überschwemmen wie Wellen den Verstand!
Der weniger aufgeregte Volker rief zur Orientierung aller: „Auf 11 Uhr!“
Wow, und so nah! Fünf ausgewachsene Tümmler bewegten sich bald um uns herum.
Für manche in der Gruppe ist es „Das erst Mal“ und jeder reagiert auf seine Weise: Manche laut, begeistert, freudig rufend, andere wiederum ganz still und mit glänzenden Augen wahrnehmend. Jeder diese ganz besondere Atmosphäre genießend, die in der Nähe der Delphine zu spüren ist.
Mit solchen Tümmlern bin ich vor acht Jahren, allerdings in einer Schule von insgesamt ca. 50 von ihnen, geschwommen. Das war eine meiner ganz besonderen Begegnungen mit Delphinen.
Heute ist es grundsätzlich nicht mehr erlaubt, ins Wasser zu gehen, da Oceano Gomera ein Whale Watching Anbieter ist, der für respektvolles Whale Watching steht, laut dem Motto:
„Wir sind zu Gast und die Wale und Delphine die Gastgeber.“
So ist es - bei aller Wehmut - sicher auch gut.
Von früheren Fahrten weiß ich, dass es immer wieder anders ist mit den Tieren. Manchmal haben sie große Lust zu spielen und bleiben am dümpelnden Boot, dann wieder wollen sie schnell schwimmend und springend in der Bugwelle spielen, und manchmal, vor allem natürlich wenn sie fischen, haben sie gar kein großes Interesse an uns. So ist es auch bei diesen hier. So fahren wir eine Weile mit Abstand und sehr vorsichtig in ihre Richtung, um dann aber abzudrehen und weiter Richtung Süden zu fahren.
Volker hatte am frühen Morgen dort noch Fleckendelphine entdeckt und hoffte sie jetzt wieder zu finden.
Ich wäre sehr gerne noch ein Weilchen bei den ruhigen Tümmlern geblieben, ich konnte ja nicht wissen, was uns erwartet.
Nur kurze Zeit später sahen wir eine hochgiftige, aber wunderschön blau leuchtende „portugiesische Galeere“. Auch die Gelbschnabel-Sturmtaucher (Pardelas), die uns jede Nacht mit ihrem fast menschlichen Stimmen auf sich aufmerksam werden lassen, konnten wir aus der Nähe betrachten.
Plötzlich ertönte wieder dieses begeisterte „Da da da, sind welche, guck mal da!“, unterbrochen von „Auf 3 Uhr gucken meinst du!“.
Es hörte aber nicht auf, dieses „Daa und da“, „Auch hier ist noch einer, guck mal da, drei nebeneinander“, „Und hier unter uns am Bug GAAAAANZ NAAAAAH!“ oder „Guck mal der guckt mich an!“...
Ja liebe Leser, die leider nicht dabei waren, diese Art der Beschreibung klingt sicher ein wenig merkwürdig, aber auch keine noch so rationale Beschreibung wie zum Beispiel
„Wir waren fast zwei Stunden von geschätzt 120 Fleckendelphinen ständig umgeben, welche sehr spielerisch das Boot umrundeten, bei uns blieben, wenn wir dümpelten, in der Bugwelle schwammen, wenn wir fuhren und die sich in einer langen Reihe, wie in einer dressierten Zirkusshow gleichzeitig zu zweit oder dritt hochspringend zu verabschieden schienen. Nachdem wir sie ca. 10 Minuten mit Abstand begleitet haben wandten sie sich wieder in ihrem andauernden Spiel uns zu.“
könnte die Gefühle widerspiegeln, die uns über diese lange Zeit bewegten.
Mir ging es wie einigen anderen Teilnehmern. Leise kamen mir irgendwann die Tränen, eine tiefe innere Bewegtheit war spürbar. So ist es wohl auch zu erklären, dass es mit der Zeit immer stiller wurde auf dem Boot.
Die Kameras, die zu Beginn noch laut klickend ein Bild nach dem anderen einzufangen versuchten, wurden beiseite gelegt, die Hochrufe und Entzückensschreie weichen dieser gefühlten inneren Stille, der wahrnehmbaren inneren Weite.
Selbst diejenigen, die uns zu den Delphinen geführt haben waren ganz besonders berührt. Oftmals sehen sie, die fast täglich Sichtungen erleben, dieses Zusammenspiel von Glück und Euphorie bei den Besuchern im Anblick der Meeressäuger, doch ein Blick nach hinten zeigte mir dass diese Sichtung auch für die beiden Männer nicht alltäglich war. Diese gestandenen Männer sahen ganz sanft aus in diesem Moment.
(An dieser Stelle möchte ich noch hinzufügen, wie vorsichtig und behutsam der Kapitän sich immer wieder den Delphinen näherte und den respektvollen Abstand nur von den Delphinen selbst aufgehoben wurde, wenn diese sich uns nähern wollten!)
Nachdem wir uns dann nach ca. 2 Stunden endgültig von den uns so bewegenden Bewohnern des Ozeans verabschiedet hatten, um zur Küste zurückzufahren, war eine Atmosphäre von Frieden und Ruhe auf dem Boot zu spüren. Sie waren nicht mehr anwesend und hatten doch dieses bereichernde Gefühl in uns zurückgelassen, für mich immer wieder als ein Gefühl der Verbundenheit zu spüren.
Wahrlich ein Höhepunkt des Kurses im Herzen öffnen!!
..und wie Susanne B. im Vorwort auf ihrer Oceano Seite schreibt, dieses Erlebnis mit den Geschöpfen des Meeres "hat ungeahnte Nebenwirkungen! Es macht - mal stärker, mal weniger - aber angenehm/positiv süchtig und man will MEER und mehr....."

 

Dienstag 12. März und Donnerstag 14. März 2013

Dieses Mal wollten tatsächlich fast alle Gruppenmitglieder an der  Delphinetour teilnehmen  und so chartern wir die Ascensión del Señor (Himmelfahrt) gleich für zwei Termine.
Tom (ein Gruppenmitglied) und ich fuhren gleich beide Male mit.
Wieder führte uns Volker und der schon bekannt Kapitän José. Wie immer war es anders als beim letzten Mal. Wie immer war jedes Mal wundervoll.
Dieses Mal sahen wir auf beiden Fahrten eine größere Gruppe von Pilotwalen. Unter ihnen waren mehrere Mütter mit ihren Jungen, die ganz dicht leicht unterhalb von ihnen
schwammen.Volker und der Kapitän gingen, wie ich es von ihnen gewohnt bin, sehr behutsam vor. Sie schauten ganz genau, wie viel Nähe die Pilotwale zuließen und erst als ganz deutlich wurde, dass sie keine Anstalten machten wieder zu verschwinden, und das können sie wahrlich auf der Stelle wenn ihnen danach ist. José stellte den Motor aus und die Stille, die uns umfing, wirkte noch intensiver durch das deutlich zu hörende Blasen der Tiere. So war ein ständiges kräftiges Auspusten des Wassers aus dem Blasloch beim Auftauchen mit einem sofortigen Einatmen im Anschluss daran zu hören. So ging es eine sehr lange Weile. Hier und dort tauchten die Tiere auf, bliesen, atmeten ein und tauchten wieder ab.
Abwechselnd, an verschiedenen Stellen gleichzeitig unter uns her tauchend, blieben sie bei uns.
Während des Kurses führte ich eine intensive, Gefühle auslösende Atemreise mit den Teilnehmern durch. Jetzt fühlten wir uns berührt durch die atmenden Wale. Atmen ist nicht nur Leben, sondern lässt uns immer wieder unser Leben spüren.
Es war wundervoll!
Sagte ich das schon? Kann sein, aber das kann man nicht oft genug sagen.
Bei der Dienstagtour tauchte zwischenzeitlich auch noch ein Rauhzahndelphin auf, der ins besonders eine Teilnehmerin, welche vorne auf dem Bug des Schiffes gelegen hatte, sehr anrührte. Tage später sprach sie auf der Finca noch davon, dass er sich gedreht und sie dabei sehr intensiv angeschaut habe.
Zu einem sehr ähnlichen Erlebnis mit den Pilotwalen kam bei unserer zweiten Tour ein besonderes extra Event dazu.
Eine Gruppe von ca. 20 sichtbaren Fleckendelphinen (meist sind es mehr, weil ein Teil sich unter Wasser befindet) hatte plötzlich Lust mit unserem fahrenden Boot in der Bugwelle zu schwimmen. Eine ganze Stunde lang fuhren wir mit diesen Tieren vor uns und um uns herum durch den Ozean. Diejenigen die vorne lagen und herabschauten, hatten die Delphine direkt unter sich.
Sie schwammen teilweise in 8er Formationen, immer wieder wechselten sie sich ab in der Reihenfolge , spielten miteinander und mit unserem Schiff und dessen Bugwelle, in der sie sich so gerne bewegen.
Insbesondere einer fiel uns auf, der immer dabei zu sein schien. Er hatte eine Kennzeichnung auf seinem Rücken (häufig durch Narbenbildung hervorgerufen), die wie drei Pfauenaugen aussahen. So wurde er dann jedes mal, wenn er in unser Blickfeld schwamm, mit großem „Hallo“ begrüßt.
Als Krönung dieser Tour empfanden sicherlich alle Teilnehmer die artistisch anmutende Einlage zweier Fleckis, die uns mehrere Sprünge weit und hoch aus ihrem feuchten Element  in die Lüfte vorführten.Sie bekamen nichts dafür, keine Fische oder andere Leckerlis, sie machen es wohl aus purer FREUDE, die sogleich auf uns übersprang!
Wenn jemand außen stehendes eine Gruppe vonerwachsenen Menschen in so einer Siuation auf dem Boot beobachtet, werden diese ihm wahrscheinlich wie eine Gruppe ausgelassener Kinder vorkommen.
Herrlich immer wieder mit diesen wundervollen Wesen sein zu dürfen!!!
findet Padma
voller Dankbarkeit